Bildungshaus Main-Kinzig
Erster Kreisbeigeordneter und Bildungsdezernent Jannik Marquart
eröffnete die Wanderausstellung „ZERO!“. Die Ausstellung widmet sich der Aufklärung über die Folgen
von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und setzt einen Schwerpunkt auf Fetale
Alkoholspektrumsstörungen (FASD).
Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist die häufigste nicht genetische Ursache für kindliche
Beeinträchtigungen. Das entscheidende Signal der Ausstellung lautet: Diese Schäden sind vollständig
vermeidbar, wenn werdende Mütter gänzlich auf Alkohol verzichten. Bei der Eröffnung betonte
Bildungsdezernent Jannik Marquart, dass das Hauptziel der Wanderausstellung „ZERO!“ darin liege,
Jugendliche, junge Erwachsene sowie pädagogische, soziale und medizinische Fachkräfte zu
sensibilisieren.
Marquart dankte der Geschäftsführung und dem Team der Bildungspartner Main-Kinzig ausdrücklich
für ihr Engagement in der Präventionsförderung. Ein ebenso herzlicher Dank ging an die Main-Kinzig-
Kliniken für die fachliche Unterstützung bei der Projektumsetzung sowie an die Fachstelle
Suchtprävention des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig für die treue Begleitung.
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung hielt PD Dr. med. Dr. med. habil. Horst Buxmann, Chefarzt der
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Gelnhausen, ein Impulsreferat mit dem Titel „Prävention ist die
beste Medizin – insbesondere in der Schwangerschaft“. Dr. Buxmann wies darauf hin, dass in
Deutschland jährlich ca. 10.000 Kinder mit einer FASD geboren werden. Da die Dunkelziffer aufgrund
von Fehldiagnosen und Schamgefühlen sehr hoch sei, ist möglicherweise so Buxmann, von einer hören
Anzahl auszugehen. Er verdeutlichte anschaulich die etwaigen gravierenden Folgen von Alkohol im
Mutterleib. Dazu zählen unter anderem: Körperliche und motorische Entwicklungsverzögerungen,
Auffälligkeiten im Gesichtsbereich und verringerter Kopfumfang, Untergewicht und organspezifische
Schäden sowie verminderte Intelligenz, geistige Beeinträchtigungen und Wahrnehmungsstörungen.
Betroffene – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – leiden daher oft ein Leben lang unter diesen
Einschränkungen. Da Alkohol ein starkes Zellgift ist, das die Plazenta ungehindert passiert, kann
bereits eine geringe Menge die Organ- und Gehirnentwicklung des ungeborenen Kindes dauerhaft
schädigen. „FASD ist“, so der eindringliche Apell von Dr. Buxmann, „durch einen konsequenten
Verzicht auf Alkohol während der gesamten Schwangerschaft zu 100 Prozent vermeidbar.“
Der zentrale Teil der Ausstellung ist ein begehbares Zelt, welches die Gebärmutter darstellt. Dort
werden die zehn Monate der Schwangerschaft aus der Perspektive des ungeborenen Kindes
realitätsnah erlebbar macht. Thematisiert werden Situationen aus der Lebenswelt einer schwangeren Frau.
Dabei spielen insbesondere alltägliche Risikosituationen und der bewusste Verzicht auf Alkohol
eine zentrale Rolle in der Vermittlung. Dabei ist der Herzschlag der Mutter eine deutlich zu hörende
Konstante. Drei interaktive Bildschirme ermöglichen es den Besuchern, in die Welt der schwangeren
Frau einzutauchen. Zudem kann man Menschen mit FASD zuhören, welchen Herausforderungen sie
sich stellen müssen und welche Hürden der Alltag für sie mit sich bringt. „Auf diese Weise haben die
Jugendlichen eine lebensweltnahe Gelegenheit, die Risiken durch den mütterlichen Alkoholkonsum
während der Schwangerschaft zu erkennen und sich bewusst zu werden, wie sehr das Ungeborene
auf den Schutz durch die Mutter angewiesen ist“, so der Bildungsdezernent Jannik Marquart.
Die innovative Wanderausstellung, die für 14 Tage im Bildungshaus Main-Kinzig gastiert, wurde in den
ersten zehn Tagen bereits von über 250 Schülerinnen und Schülern besucht. Der Besuch wird für
Schulklassen durch die Fachstelle Suchtprävention des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig mit
einem kostenfreien Gesprächsangebot begleitet. Die Ausstellung setzt, so Dirk Niedoba,
Geschäftsführer der Bildungspartner Main-Kinzig, keine speziellen Vorkenntnisse voraus und ist für die
Verwendung in allen Schulformen einschließlich Förderschulen ab der 7. Jahrgangsstufe
geeignet. Einzelne wenige Zeitslots sind noch frei.
Weiterführende Informationen und Hilfsangebote stellt der FASD Deutschland e.V. zur Verfügung.

